21.10.2020

Corona-Folgen: Gastgewerbe befürchtet Pleitewelle – weitere Hilfen und Verhältnismäßigkeit bei Maßnahmen dringend notwendig

Seit März beherrscht das Coronavirus die Nachrichten, unser Leben, das Ausgehen und Reisen. Wo steht das Gastgewerbe heute? Die Corona-Pandemie hat das Gastgewerbe in seine tiefste Krise der Nachkriegszeit gestürzt.
Nach zehn Wachstumsjahren verzeichnet die Branche seit Anfang März Umsatzverluste historischen Ausmaßes. Auch nach der Wiedereröffnung ist die Branche aufgrund von Abstandsgeboten, Kapazitätsbegrenzungen und Reisebeschränkungen von Normalumsätzen weit entfernt. Von Januar bis August weist das Statistische Bundesamt ein reales Umsatzminus von 35,0 Prozent aus.

Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Betrieben in Ferienorten und in Städten. Urlaubshotels und Ausflugsrestaurants insbesondere mit Terrassen und Biergärten verzeichneten eine gute Nachfrage. Ganz anders sieht es in den Städten aus. Messen, Kongresse, Tagungen sowie Kultur- und Sportveranstaltungen finden immer noch nicht statt. Geschäftsreisende wie internationale Besucher fehlen schmerzlich. Die Lage der Stadt- und Tagungshotellerie sowie der Eventcaterer ist fatal. Katastrophal stellt sich die Situation auch bei den Discotheken und Clubs dar, für die es immer noch keine Öffnungsperspektive gibt. Fast 60 Prozent der Betriebe bangen laut der jüngsten DEHOGA-Umfrage um ihre Existenz. Hinter dieser Zahl verbergen sich dramatische Einzelschicksale insbesondere vieler teilweise erfolgreich über Generationen geführter Familienunternehmen. In den nächsten Monaten drohen Insolvenzen und Geschäftsaufgaben.

Umso wichtiger ist es, dass die Überbrückungshilfen für unsere existenziell betroffenen Betriebe – wie jetzt von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier angekündigt – verlängert, ausgeweitet und nachhaltig verbessert werden. So bedarf es auch für verbundene Unternehmen und größere Unternehmen dringend direkter Unterstützungsleistungen. Zudem fordern wir eine Entfristung der Mehrwertsteuersenkung mit Einbeziehung der Getränke sowie eine gesetzliche Klarstellung zur coronabedingten Vertragsanpassung der Pachtverträge. Überfällig ist ebenso die Ausweitung des steuerlichen Verlustrücktrags. Darüber hinaus ist die Politik aufgerufen, die massiven Corona-Einschränkungen und Eingriffe in die Grundrechte permanent zu prüfen und schlüssig zu erklären. Hotspot-Wirrwarr und Beherbergungsverbote oder Sperrstunden, die von den Gerichten aufgrund ihrer Unverhältnismäßigkeit kassiert werden, tragen nicht dazu bei, das Vertrauen in die Politik zu stärken und sind für die Akzeptanz der notwendigen Schutzmaßnahmen kontraproduktiv. Deutschland hat im Umgang mit der Pandemie vieles richtig gemacht. Mit Achtsamkeit und Augenmaß, nicht mit Hysterie, Angst und Panikmache. So muss es bleiben.

Kommentar der Woche - BDA Agenda: Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes