Sozialbudget

Sozialbudget – Umfang der Sozialleistungen in 2016 auf 918 Mrd. Euro gestiegen

Für soziale Leistungen wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 918 Mrd. Euro ausgegeben. Das geht aus dem aktuellen Sozialbudget hervor, mit dem die Bundesregierung jährlich über den Umfang sowie die Struktur sämtlicher Sozialleistungen berichtet. Gegenüber 2015 haben sich die Sozialausgaben deutlich um +3,7 Prozent bzw. +33 Mrd. Euro erhöht. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, das im Berichtsjahr um +3,3 Prozent stieg, ergibt sich daraus eine Sozialleistungsquote von 29,3 Prozent. Das Verhältnis von Sozialaufwand zu Wirtschaftskraft lag damit auch im Berichtsjahr wieder höher als im langjährigen Durchschnitt und auf dem höchsten Niveau seit 2010.

Das Sozialbudget in der Gliederung nach Institutionen knüpft unmittelbar an die bestehende Ordnung der sozialen Sicherung in der Bundesrepublik Deutschland an. Danach wird das soziale Netz hierzulande von insgesamt 29 Institutionen aufgespannt, von denen die nachfolgenden zwölf – gemessen am Ausgabenvolumen 2016 – die finanziell bedeutsamsten sind:


  1. Gesetzliche Rentenversicherung: 293,3 Mrd. Euro,
  2. Gesetzliche Krankenversicherung: 220,7 Mrd. Euro,
  3. Beamtenpensionen: 55,2 Mrd. Euro,
  4. Kindergeld und Familienleistungsausgleich: 44,2 Mrd. Euro,
  5. Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers (vor allem bei Krankheit): 43,3 Mrd. Euro,
  6. Grundsicherung für Arbeitsuchende: 42,7 Mrd. Euro,
  7. Sozialhilfe: 39,5 Mrd. Euro,
  8. Kinder- und Jugendhilfe: 38,5 Mrd. Euro,
  9. Soziale Pflegeversicherung: 29,6 Mrd. Euro,
  10. Betriebliche Altersversorgung: 26,8 Mrd. Euro,
  11. Gesetzliche Arbeitslosenversicherung: 26,7 Mrd. Euro,
  12. Private Krankenversicherung: 23,9 Mrd. Euro.
In der institutionellen Betrachtung stellte auch im Jahr 2016 die Sozialversicherung – bestehend aus gesetzlicher Renten-, Kranken-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung – mit über 60 Prozent den mit weitem Abstand größten Sozialleistungsbereich dar.

Rund 35 Prozent der Sozialleistungen werden für Gesundheit ausgegeben

Die im Sozialbudget erfassten Leistungen können auch danach unterschieden werden, welchem Sicherungszweck sie dienen. Diese Gliederung nach Funktionen veranschaulicht somit, was für ein Finanzvolumen für bestimmte Lebensrisiken bzw. -situationen bereitgestellt wird. Wie viele und welche der 29 Institutionen in die Leistungserbringung eingebunden sind, spielt hingegen keine Rolle. Wegen der Fokussierung auf den Sicherungszweck ist es zweckmäßig, beim funktionalen Sozialbudget sämtliche Verwaltungs- und sonstigen Ausgaben aus der Betrachtung auszuklammern. 2016 sind dies insgesamt 38,6 Mrd. Euro bzw. 4,2 Prozent des Sozialbudgets, so dass der Umfang der im Folgenden näher aufzuschlüsselnden Sozialschutzleistungen 879,4 Mrd. Euro beträgt.

Von den zehn im Sozialbudget ausgewiesenen Funktionen sind die nachfolgenden sechs die mit Abstand wichtigsten:


  1. Krankheit: 305,2 Mrd. Euro,
  2. Alter: 285,8 Mrd. Euro,
  3. Kinder: 94,1 Mrd. Euro,
  4. Invalidität: 72,3 Mrd. Euro,
  5. Hinterbliebene: 57,2 Mrd. Euro,
  6. Arbeitslosigkeit: 31,3 Mrd. Euro.
Auf die übrigen vier Funktionen – Wohnen, allgemeine Lebenshilfen, Mutterschaft, Ehegatten – entfielen zusammen 33,5 Mrd. Euro bzw. 3,8 Prozent der Sozialschutzausgaben.

Finanzierungslast des Sozialstaates liegt bei über 968 Mrd. Euro

Zur Finanzierung der Sozialleistungen wurden 2016 insgesamt 968,8 Mrd. Euro aufgebracht. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einer Erhöhung um 4,0 Prozent bzw. +37,5 Mrd. Euro. Die Differenz von 50,8 Mrd. Euro zu den Ausgaben erklärt sich dabei vor allem durch die kapitalgedeckten Systeme, wie die private und betriebliche Altersvorsorge, die Versorgungswerke und die Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes, in denen die Finanzierungskosten regelmäßig über den Leistungskosten liegen.


Hauptfinanzierungsart des Sozialbudgets waren auch 2016 unverändert die Sozialbeiträge, die das wichtigste Finanzierungselement der gesetzlichen Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege- und Unfallversicherung darstellen. Sie betrugen in der Summe 626,3 Mrd. Euro. Das macht umgerechnet 64,6 Prozent aller Finanzierungskosten aus. Sozialleistungen außerhalb der gesetzlichen Sozialversicherung wurden dagegen überwiegend aus Steuermitteln finanziert. 326,2 Mrd. Euro bzw. 33,7 Prozent der Finanzierungskosten entfielen im Berichtsjahr auf Zuschüsse des Staats. Von untergeordneter Bedeutung waren die sonstigen Einnahmen in Höhe von 16,3 Mrd. Euro bzw. einem Finanzierungsanteil von 1,7 Prozent.

Deutlich mehr als die Hälfte der im Sozialbudget ausgewiesenen Sozialbeiträge wurde von den Arbeitgebern aufgebracht. Die der Arbeitgeberseite zugeordneten 330,0 Mrd. Euro entsprachen 52,7 Prozent aller Sozialbeiträge bzw. einem Anteil von 34,1 Prozent an den gesamten Finanzierungskosten des Sozialbudgets. Sie setzen sich dabei aus den tatsächlich gezahlten Sozialbeiträgen (252,4 Mrd. Euro) und den unterstellten Arbeitgeberbeiträgen (77,7 Mrd. Euro) – vor allem für die Entgeltfortzahlung, die betriebliche Altersversorgung und Beihilfen – zusammen. Die Versichertenseite beteiligte sich mit 296,2 Mrd. Euro bzw. 30,6 Prozent an der Finanzierung des Sozialstaats. Auf die einzelnen Versichertengruppen entfielen dabei folgende Beträge: Arbeitnehmer 223,0 Mrd. Euro, Selbstständige 16,9 Mrd. Euro, Empfänger sozialer Leistungen (vor allem Rentner) 37,0 Mrd. Euro und sonstige Personengruppen 19,3 Mrd. Euro.