Flexicurity

Flexicurity weist den Weg zu mehr Beschäftigung in Europa

Flexicurity ist ein ganzheitlicher Ansatz, der nicht Arbeitsplatz-, sondern Beschäftigungssicherheit in den Mittelpunkt stellt. Er beruht auf vier tragenden Säulen: Einem Arbeitsrecht, das den Zugang zum Arbeitsmarkt fördert; einer effektiven und aktivierenden Arbeitsmarktpolitik; Förderung des lebenslangen Lernens, das die Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer sichert sowie effektive und nachhaltige soziale Sicherungssysteme. Nur wenn alle vier Elemente des Flexicurity-Konzepts in einer Gesamtstrategie unter aktiver Beteiligung der Sozialpartner umgesetzt werden, können sich ihre positiven Effekte gegenseitig ergänzen und verstärken.

Über die Bewältigung der akuten Beschäftigungskrise hinaus stellt der demografische Wandel Deutschland und Europa vor gewaltige Herausforderungen, die eine zukunftsweisende Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik erfordern. Dabei hat es sich angesichts des immer schnelleren Strukturwandels als ineffektiv erwiesen, den Bestandsschutz des einzelnen Arbeitsplatzes in den Vordergrund zu stellen. Vielmehr muss im Interesse der Arbeitnehmer die Beschäftigungssicherheit durch immer neue Chancen der Integration in den Arbeitsmarkt in den Mittelpunkt gerückt werden. Ziel muss sein, dass Menschen beim Verlust ihres Arbeitsplatzes schnell wieder in Beschäftigung kommen. Flexicurity löst den Gegensatz zwischen mehr Flexibilität einerseits und mehr Sicherheit andererseits auf, indem es Sicherheit und Flexibilität so kombiniert, dass mehr Beschäftigungssicherheit entsteht.

Wichtige Grundlage für erfolgreiche Krisenbewältigung

In Deutschland haben am Flexicurity-Konzept ausgerichtete Reformen und ein gut funktionierender Sozialer Dialog bei der Krisenbewältigung eine entscheidende Rolle gespielt. Die deutschen Arbeitgeber konnten trotz massiver Auftragseinbrüche in vielen Fällen Entlassungen vermeiden, weil sie auf innerbetriebliche Flexibilisierungsmaßnahmen wie etwa den Abbau von Guthaben auf Arbeitszeitkonten bauen konnten, die es ermöglichten, für gewisse Zeiträume die Arbeitszeit zu reduzieren. Die Tarifpartner haben die Tarifverträge in den vergangenen Jahren zudem kontinuierlich modernisiert und flexibilisiert. Sie haben die betrieblichen Gestaltungsmöglichkeiten erweitert und damit einen großen Beitrag geleistet um in der Krise in vielen Fällen Kündigungen zu vermeiden und die Mitarbeiter in den Betrieben zu halten. Das deutsche Beispiel zeigt, dass die aktive Einbindung der Sozialpartner und insbesondere die autonome Gestaltung der Arbeitsbedingungen durch die Sozialpartner eine wesentliche Grundlage des Flexicurity-Konzepts ist. Dabei reicht das Flexicurity-Konzept alleine nicht aus, um Beschäftigung zu schaffen, sondern muss durch das Wirtschaftswachstum fördernde Strukturreformen begleitet werden.

Europa braucht ein Flexicurity-Mainstreaming

Über die Krisenbewältigung hinaus stehen Deutschland und Europa vor großen strukturellen Herausforderungen: Der demografische Wandel, die hohe Verschuldung vieler Euro-Staaten und die Auswirkungen des Klimawandels auf Beschäftigung verlangen nach einer zukunftsweisenden Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, die das Erwerbspersonenpotenzial besser erschließt, mehr Menschen in Beschäftigung bringt und die Übergänge auf den Arbeitsmarkt in allen Phasen des Erwerbslebens erleichtert. Ein berechenbares und transparentes Arbeitsrecht, eine effiziente Arbeitsmarktpolitik, ein nachhaltiges soziales Sicherungssystem und ein breites Angebot für lebenslanges Lernen sind hierbei entscheidend. Den Grundgedanken der Flexicurity-Mitteilung der Europäischen Kommission vom Juni 2007, dass Arbeitnehmer in Zeiten, in denen der Job fürs Leben zunehmend der Vergangenheit angehört, verstärkt Beschäftigungssicherheit anstatt Arbeitsplatzsicherheit brauchen, muss die Kommission in allen ihren Initiativen konsistent verfolgen.
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