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Deutsche Exportstärke – schlecht für Europa?

Die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die Leistungsbilanzüberschüsse haben im In- und Ausland, vor allem auch in der Eurozone, Kritik erfahren. Die wichtigsten Kritikpunkte sind:
  • Deutschland setze einseitig auf den Export und tue zu wenig für seine Binnennachfrage, insbesondere für den privaten Konsum.
  • Mit der moderaten Lohnpolitik betreibe Deutschland „Dumping“ bei den Lohnstückkosten, überflute die Märkte anderer Euro-Länder und dränge diese dadurch an den Rand.
Die gestiegene Exportquote dient dabei als Beleg für das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht. Lag der Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt noch 1995 lediglich bei 22 %, erreichte sie 2017 47,0 % des BIP (Destatis, 2018).

Irrtum: Deutschland leidet an Konsumschwäche.
  • Wie schon in den Vorjahren wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland (Herbstgutachten, 2018) maßgeblich vom privaten Konsum getragen.
  • Gestützt durch gute Rahmenbedingungen, wie der robusten Beschäftigungsentwicklung, gestiegenen Reallöhnen, aber auch der zunehmend expansiv ausgerichteten Fiskalpolitik, ist der Konsum in Deutschland ein entscheidender Wachstumstreiber.
  • 2018 werden die Konsumausgaben nach dem Herbstgutachten (2018) mit 0,8 Prozentpunkten zum BIP-Wachstum beitragen. Im Gegensatz dazu wird der Wachstumsbeitrag des Außenhandels mit -0,2 Prozentpunkten negativ ausfallen.
Fakt: Deutsches Exportwachstum findet vor allem außerhalb des Euroraums statt.
  • Die deutschen Exporte in die Partnerländer der Eurozone sind zwar seit Einführung des Euros gewachsen, allerdings verlief der Export in Drittländer wesentlich dynamischer.
  • Im Jahr 2017 wurden in die Eurozone Waren im Wert von rd. 472 Mrd. € geliefert. Drittländer, die weder der EU noch der Eurozone angehören, bezogen im gleichen Jahr Waren im Wert von rd. 529 Mrd. € (Destatis, 2018).
Fakt: Deutschland importiert immer mehr aus Euro-Ländern.
  • Deutschlands Warenimporte aus Ländern der Eurozone haben im Verlauf der letzten Dekade deutlich zugenommen.
  • Die deutschen Importe aus Euro-Ländern lagen zum Jahresende 2017 um 23,3 % höher als vor der Rezession Ende 2007 (Destatis, 2018).
  • Nur weil die Importe aus der übrigen Welt noch stärker zugenommen haben, ist der Anteil der Euro-Länder an den Importen Deutschlands von 44 % im Jahr 2007 auf 36,9 % im Jahr 2017 gesunken (Destatis, 2018).
  • Immer mehr deutsche Betriebe importieren Vorleistungsgüter aus anderen Euro-Ländern. Da mehr und mehr Endprodukte anschließend in Schwellenländer exportiert werden, ziehen auch die Partnerländer der Eurozone einen Nutzen aus den deutschen Exporten. Somit geht von Deutschlands Exporten eine Sogwirkung auf die Importe aus anderen Euro-Ländern aus. Steigen die deutschen Exporte um 10 %, nehmen die Vorleistungsausfuhren der EU-Partner nach Deutschland um rd. 9 % zu (IW Köln, 2013).
  • Die globalisierte Wirtschaft ist stark geprägt von globalen Wertschöpfungsketten. Der Anteil ausländischer Vorleistungen an den Exporten Deutschlands beträgt rd. 40 % (Destatis, 2018).
Fakt: Handelspartner profitieren direkt von deutschen Ausrüstungsgütern.
  • Typischerweise exportiert die deutsche Wirtschaft hochwertige Investitionsgüter wie Maschinen und Anlagen. Dadurch steigt das Produktionspotenzial im Ausland.
  • Obwohl 2017 die Arbeitskosten in Deutschland erneut stärker gestiegen sind als im EU-Durchschnitt, konnte die Qualität der Produkte offenbar überzeugen (Eurostat 2018).
Irrtum: Deutsche Wettbewerbsstärke drückt die Euro-Partner an den Rand.
  • Die Einfuhren aus den wichtigsten Euro-Partnerländern haben sich zwischen 2007 und 2017 stark erhöht (siehe Tabelle).
  • Die deutschen Tarifparteien haben in den letzten Jahren darauf geachtet, dass die Löhne grundsätzlich nur so stark steigen, wie sich die Produktivität verbessert. Andere Länder der Eurozone haben in der Vergangenheit diesen Grundsatz nicht beachtet und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit selbst geschwächt.

Deutsche Warenexporte in die Euro-Länder


Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018 (vorläufige Ergebnisse)


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November 2018