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Zuwanderung und Integration

Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland hängt in entscheidendem Maße von gut qualifizierten Fachkräften ab. Notwendig auch zur mittel- bis langfristigen Fachkräftesicherung ist eine schlüssige und ausgewogene Gesamtstrategie, die die Erschließung aller inländischen Potenziale und, als ein weiterer Baustein, auch die Gewinnung qualifizierter ausländischer Fachkräfte umfassen muss. Für international agierende Unternehmen ist es zudem von zentraler Bedeutung, dass sie ihr Personal flexibel und unbürokratisch über Ländergrenzen hinweg einsetzen können.

EU-Binnenmigration bisher dominierend

Bisher kommt die Großzahl der ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland aus dem EU-Ausland. Im Oktober 2019 waren rund 2,6 Mio. EU-Staatsangehörige sozialversicherungspflichtig in Deutschland beschäftigt und stellen 6,9 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Insbesondere die Zuwanderung aus den osteuropäischen Mitgliedsländern hat sich in den Jahren seit der Ausweitung der Arbeitnehmerfreizügigkeit sehr dynamisch entwickelt. Die Binnenmigration wird allerdings perspektivisch an Bedeutung verlieren. In den letzten zwei Jahren waren die Zahlen schon rückläufig und werden nach Einschätzung aller Experten aufgrund von ähnlichen demografischen Herausforderungen wie in Deutschland weiter zurückgehen.

Fachkräfte aus Drittstaaten in den Blick nehmen

Die Bundesregierung hat mit der Verabschiedung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes Mitte 2019 wichtige Verbesserungen und neue Zuwanderungsmöglichkeiten für Personen aus Drittstaaten auf den Weg gebracht. Damit wird ein Signal nach innen und außen gesendet, dass Deutschland ausländische Fachkräfte für den Arbeitsmarkt gewinnen möchte. Trotz der vielfältigen Reformen des Zuwanderungsrechts in den letzten Jahren kommen dennoch immer noch vergleichsweise wenig qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten außerhalb der EU nach Deutschland. Das Ziel der Zuwanderungspolitik muss daher eine kontinuierliche Ausweitung der vom Bedarf des Arbeitsmarkts gesteuerten Fachkräftezuwanderung sein.

Praktische Umsetzung der zuwanderungsrechtlichen Regelungen verbessern

Jedes Gesetz ist nur so gut wie seine praktische Umsetzung. Seit einigen Jahren zeigt sich, dass es vor allen Dingen die praktischen Probleme bei der administrativen Umsetzung des Zuwanderungsrechts sind, die mehr Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland zumindest erschweren, teils sogar verhindern. Lange Wartezeiten bei den Auslandsvertretungen, komplizierte und langwierige Verfahren, die nicht optimale Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden und Stellen führen dazu, dass die guten gesetzlichen Zuwanderungsregelungen ihre bezweckte Wirkung in der Praxis nicht voll entfalten können. Insbesondere die Einführung einer elektronischen Akte in der Kommunikation zwischen den Auslandsvertretungen, Ausländerbehörden und der Bundesagentur für Arbeit sowie die Einführung eines umfassenden behördenübergreifenden IT-Systems zur Erwerbsmigration sind unersetzliche Voraussetzungen für beschleunigte und reibungslose Prozesse. Um die Fachkräftezuwanderung zu erleichtern und schnelle Entscheidungsprozesse zu schaffen, ist die im Fachkräfteeinwanderungsgesetz vorgesehene Bündelung der Aufgaben der ca. 600 kommunalen Ausländerbehörden der Länder im Bereich der qualifizierten Erwerbsmigration in spezialisierte, überregionale Zentrale Ausländerbehörden notwendig.


Integration zielgerichtet vorantreiben

Neben der Fachkräftegewinnung muss auch die Reduzierung der Ab- und Rückwanderung qualifizierter Arbeitskräfte verbessert werden. Dafür ist die Integration der Zugewanderten in den Betrieb und die Gesellschaft nach Ankunft in Deutschland von großer Bedeutung.. Für die berufliche Integration bieten viele Unternehmen bereits Unterstützung an z. B. durch Mentoring-Programme. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen brauchen hier aber auch Unterstützung durch „Kümmerer“. Viele Unternehmen unterstützen auch die Familien ihrer Fachkräfte aktiv bei der gesellschaftlichen Integration z. B. durch Dual-Career-Programme, Hilfe bei der Wohnungssuche sowie bei der Suche nach Kita- oder Schulplatz.

Langfristig ist der mit Abstand wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Integration der Erwerb der deutschen Sprache. Die von der Bundesregierung bereitgestellten Sprachkurse wie Integrationskurs oder berufsbezogene Sprachförderung bieten einen guten Rahmen. Im ländlichen Raum stehen sie jedoch nicht immer ausreichend zur Verfügung oder lassen sich oft mit einer Vollzeittätigkeit nicht kombinieren. Viele Unternehmen unterstützen ihre Beschäftigten und deren Familien bereits auf freiwilliger Basis bei der Vermittlung von Sprachkursen oder stellen sie selbst bereit. Eine Willkommenskultur hört allerdings nicht am Betriebstor auf. Insbesondere die öffentliche Verwaltung kann ihre Willkommenskultur noch stärken.

Initiativen der BDA

  • Mitwirkung in der Arbeitsgruppe „Ausländisches Arbeitskräftepotenzial erschließen und Willkommenskultur schaffen“ der Demografiestrategie der Bundesregierung, seit Oktober 2012
  • Mitwirkung in der „Allianz für Fachkräfte“ und der Arbeitsgruppe „Fachkräfte der Zukunft“ beim Bundesarbeitsministerium

Zuwanderung aus Drittstaaten steigt nur moderat an

Durch erleichterte Zuwanderungsmöglichkeiten für qualifizierte Fachkräfte aus Ländern außerhalb der EU hat die Zuwanderung zu Erwerbszwecken zugenommen hat. Ihr Umfang bleibt aber ausbaufähig. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) macht die Zuwanderung zu Erwerbszwecken im Jahr 2018 nur ca. 11,6 % der Zuzüge aus Drittstaaten aus.


Seit 2016 ist zwar ein Anstieg der Zuzüge zu beobachten. Hauptgrund für diese Entwicklung ist allerdings die im Oktober 2015 eingeführte „Westbalkan-Regelung“, die für Zuwanderer aus dem Westbalkan erleichterte Zuwanderungsmöglichkeiten vorsieht. Beliebter wird auch die Blaue Karte EU für Hochqualifizierte. Die Zahl der im Jahr 2018 erteilten Blauen Karten hat sich um 25,4 % gegenüber 2017 erhöht, allerdings sind von den Empfängern lediglich rund 9.800 Personen, d.h. 36,2% im selben Jahr eingereist.

Anstieg der Erwerbsmigration aus Drittstaaten noch ausbaufähig

Drittstaatangehörige mit Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Erwerbstätigkeit und Einreise im selben Jahr
Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2018


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Ansprechpartner

BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Arbeitsmarkt
T +49 30 2033-1400
Februar 2020